Therapeutisches Reiten Büren, Paderborn

Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd 


„Unter dem Begriff Heilpädagogisches Reiten (HPR) werden pädagogische, heilpädagogische und sozio-integrative sowie psychologische, therapeutische und rehabilitative Einflussnahmen mit Hilfe des Pferdes zugunsten von Menschen mit Beeinträchtigungen verstanden.“ (Definition des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten, DKThR e.V.) 
In der heilpädagogischen Förderung werden pädagogische, heilpädagogische und/oder psychologische/psychotherapeutische Konzepte zur psycho-sozialen und psycho-motorischen Förderung und Stabilisierung von Menschen aller Altersgruppen mit Hilfe des Mediums Pferd eingesetzt. Fachkräfte verfügen über eine pädagogische/psychologische Grundqualifikation mit einer Zusatzqualifikation in der heiltherapeutischen Förderung mit dem Pferd. Eine jährliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Klienten sollte von einem Arzt eingeholt werden, vor allem bei Personen mit Krankheitsbildern wie diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Das Zusammenspiel zwischen psychiatrischen und/oder psychotherapeutischen Fachleuten ist wichtig. Bei Körperbehinderungen und bei Personen mit neurologischen Krankheitsbildern ist eine Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten und Fachärzten notwendig. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist empfehlenswert. Folgende Krankheitsbilder sind beim heilpädagogischen Reiten denkbar: 
- Entwicklungsverzögerung im Bereich Wahrnehmung, Motorik,  Sozialverhalten, Kommunikation und Sprache, Koordination, Kognition 
- Geistige Behinderung
- Lernbehinderung 
- Herabgesetzte Motivation
- Verhaltensbesonderheiten  
- Schwierigkeiten im Sozialverhalten - Motorische Schwierigkeiten
- Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen 
- Schwierigkeiten in der Aufnahme und Gestaltung von Beziehungen  

Bei den folgenden Krankheitsbildern kann eine pädagogische/heilpädagogische Arbeit mit dem Pferd nur in enger Zusammenarbeit mit ärztlichen und  psychologischen Fachkräften stattfinden: 
- Essstörungen 
- Autismus 
- Ängste 
- Persönlichkeitsstörungen 
- Psychosen 
- Neurosen 
- Zwangserkrankungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen  
- Dissoziale Störungen 
- Abhängigkeit/Sucht 
Zuerst möchte ich den Begriff „Heilpädagogik“ im Allgemeinen und dann im Zusammenhang mit der pferdegestützten Intervention näher erläutern. Klein et al. (1999: 18) verstehen unter Heilpädagogik „die Theorie und Praxis der Erziehung derjenigen Kinder und Jugendlichen, bei denen angesichts der erschwerenden Bedingungen die landläufige übliche Erziehung nicht oder nicht mehr ausreicht. Hier sind zusätzliche und spezielle pädagogische Maßnahmen erforderlich, welche die individuellen somatischen, psychischen und sozialen Bedingungen der Erziehung berücksichtigen und dem Kind [Jugendlichen oder Erwachsenen] eine soziale und berufliche (Wieder-) Eingliederung ermöglichen wollen.“ Die Beziehung zwischen dem Pädagogen und dem Kind ist dabei von großer Bedeutung.  
Ursprünglich bezog sich Heilpädagogik auf die Heilung durch Erziehung und Therapie. Aus dem modernen heilpädagogischen Blickwinkel ist der ganze Mensch mit seinen Fähigkeiten, Problemen, Ressourcen und seinem Umfeld bei der Bearbeitung und Lösung von Problemstellungen zu betrachten und mit einzubeziehen. 
 
„Heilung“ bezieht sich demnach nicht auf Heilen im medizinischen Sinne, also der Wiederherstellung eines gesunden Zustandes, sondern auf Heilung im Sinne der Ganzwerdung und Integration. Der Grundgedanke der Heilpädagogik ist die Ganzheitlichkeit. Akzente der Heilpädagogik werden in folgenden Statements sichtbar (nach Kobi):  
- Die Voraussetzungslosigkeit der Heilpädagogik besteht darin, dass sie außer der Existenz des Menschen nichts voraussetzt. Es geht um die Frage, wie ein Mensch trotz eines unheilbaren Defekts zu seinem Heil, Lebensglück und Lebenserfüllung gelangen kann. 
- Heilpädagogik wendet sich dem Abweichenden und dem Schwachen zu. 
- Behinderung und Abweichung mitleidig zu übersehen oder Unterschiede aufzuheben, klein zu reden und Schuldgefühle nicht aufkommen zulassen, ist keine heilpädagogische Haltung. 
- Heilpädagogik stellt nicht eine spezielle Art von Heilungstechnik dar, sondern hat sich als „Pädagogik der Sonderfälle“ grundsätzlich mit denselben Problemen zu beschäftigen wie die sogenannte „Normalpädagogik“. Die Probleme stellen sich dem Heilpädagogen in verschärfter Form und verlangen ein differenziertes Vorgehen.
-Heilpädagogik hat sich als Handlungswissenschaft zu begreifen, ihr Bewährungsfall ist die Praxis.  
Heilpädagogik als Teil der Pädagogik ist eine Handlungswissenschaft mit dem Auftrag, Konzepte für die Praxis zu entwickeln, die alltägliches heilpädagogisches Handeln aufklären und anleiten. Der Anspruch auf Eigenständigkeit genügt dabei jedoch nicht. Das Eigene muss nachgewiesen werden, denn: „Wer braucht schon einen Heilpädagogen, wenn andere dasselbe ebenso gut machen?“ Wissenschaftstheorien in der Heilpädagogik sollen so beschaffen sein, dass sich aus ihnen heilpädagogisches Handeln ableiten lässt, also wenn sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse in einen Bezugsrahmen übersetzten, innerhalb dessen sich der Heilpädagoge orientieren kann. Als Berufswissenschaft hat die Heilpädagogik das Ziel in der Erfüllung in der Praxis. (vgl. Gäng, 2015: 31f) 
Durch sein artspezifisches Verhalten und die Motivation, die von dem Pferd ausgeht, können über das Medium Pferd fördernde Effekte für die Psychomotorik, das Kommunikations- und Sozialverhalten und die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen erzielt werden. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz. Der Ansatz richtet den Fokus nicht auf vorhandene Defizite, sondern auf alle Bereiche wie Kognition, Emotionalität, Soziabilität, Motorik, Kommunikation und Sinne. Die Bewegungen des Pferdes, die eigenen Bewegungen auf dem Pferd und die Reaktion des Pferdes auf ein bestimmtes Verhalten fördern die körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes. „Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass heilpädagogisches Reiten und Voltigieren fast ausschließlich in Gruppen durchgeführt wird, in denen vor allem verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, psychiatrische Patienten sowie geistig und lernbehinderte Menschen gemeinsam reiten oder die Pferde pflegen und führen“. (Leugner, Winkelmayer, Simon, 2002: 15)  
Arbeitsweisen und Methodik im heilpädagogischen Reiten sind sehr von der „Vermittlungsart“ von  Felicitas Affolters beeinflusst. Wahrnehmung ist das subjektive Empfinden durch Umweltreize. Ein gesunder Mensch hat die Fähigkeit etwas über alle Sinne wahrzunehmen. Beeinträchtigten Menschen sind Wahrnehmungen und die Verarbeitung dieser nur teilweise oder gar nicht möglich. Affolter hat eine Vorgehensweise entwickelt, die als Hilfe zur besseren Verarbeitung zu verstehen ist: „Vielfältiges Berührten und Loslassen“ (Affolter, 2006)  
Das Pferd ist von seinem Wesen, von seinem Körper und der Bewegung sehr gut für solche Erfahrungen geeignet. Durch Mimi Scheiblauers „Heilpädagogische Rhythmikübungen“ entstanden spielerische Elemente mit, am und auf dem Pferd. Scheiblauers Übungsprinzip fließt auch in die Methodik ein. Aus Affolters Art der Vermittlung und dem Übungsprinzip Scheiblauers ergibt sich das Konzept für das heilpädagogische Reiten. Es beruht auf der Wechselwirkung zwischen Wahrnehmung, Bewegung und Gefühlsleben. (vgl. Scheiblauer, 1926: 100ff) 
Ein Ziel im heilpädagogischen Reiten ist, die Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Kontakt- und Handlungsfähigkeit zu fördern. Heilpädagogisches Reiten orientiert sich am Menschen mit seinen Möglichkeiten und nicht an seinen Defiziten. Wichtige Impulse für die Arbeit mit geistig- und mehrfach behinderten Menschen vermittelt Jörg Grond: „Der Mensch mit seiner geistigen Behinderung ist nicht der ‚ganz andere‘, den ich nicht verstehen kann. Es ist mir möglich, ihn zu verstehen, weil wir etwas gemeinsam haben: Wir sind Menschen. Ihn zu verstehen kann allerdings schwierig sein“ (Grond, 1995).
Kontakt mit dem Tier - ein menschliches Bedürfnis 
 
Kinder und Jugendliche haben aus einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis heraus eine natürliche Zuneigung zu Tieren. Sie suchen Kontakt zu ihnen und wollen sie lieb haben und auch lieb gehabt werden. Tiere schaffen ein lebensfrohes und ungezwungenes Klima, welches viele Kinder anspricht. Viele Kinder finden zu Tieren leichter einen Zugang als zum Menschen. Durch die Tierhaltung und den Umgang mit Tieren kann die Persönlichkeitsbildung gefördert und die Kontaktaufnahme zur Umgebung und zu den Mitmenschen erleichtert werden. 
Pferde eignen sich hierzu besonders gut, weil sie vielfältige Möglichkeiten anbieten. Sie lassen sich sowohl beobachten, füttern, pflegen als auch reiten. Sie sind anspruchsvolle Spielgefährten und sind immer bereit. Dies alles macht sie besonders liebenswert und begehrt. Beim Reiten und im Umgang mit dem Pferd wird der Mensch ganzheitlich angesprochen: emotional, körperlich, geistig und auch sozial.  
Zum heilpädagogischen Reiten gehört also wesentlich der Aufbau einer Beziehung, das Berühren, das Pflegen, das Führen des Pferdes sowie das Aufsitzen und Sichtragen-lassen, Reiten am Langzügel und das Ausreiten mit dem Handpferd. Nicht die reiterliche Ausbildung, sondern die individuelle Betreuung und Förderung in engem Bezug zum Pferd stehen im Vordergrund. Eine positive Beeinflussung des Wohlbefindens, der Persönlichkeitsentwicklung und des Sozialverhaltens wird durch die ganzheitliche Therapieform angestrebt. Die Reitpädagogen und die Klienten begeben sich gemeinsam auf den Weg. (vgl. Gäng, 2015: 24ff)  
Das heilpädagogische Reiten nutzt den Beziehungsaspekt über das Medium Pferd: „Bei Heilpädagogischem Reiten steht weniger das Reiten, sondern die umfassende Beziehung zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt“. (Leugner, Winkelmayer, Simon 2002: 15) 

Anwendung des Heilpädagogischen Reitens: Sinn – Zweck – Ziel:       
Nach Gäng sind Pferde und Ponys bei verhaltensschwierigen Kindern und Jugendlichen besonders gut geeignet. Jeder hat ein angeborenes Bedürfnis, eine Veranlagung mit Lebendigem, Menschen oder Tieren, umgehen zu wollen. Pferde sind in ihrem Verhalten meist konstant. Sie sind verlässlich und in Erziehungsprozesse einplanbar. Pferde verändern ihr Verhalten auch kaum, wenn sie inmitten einer lauten Kinderschar sind. Sie sind „rücksichtsvoll“ und „einfühlsam“, bleiben stehen, wenn sie spüren, dass ein Kind auf ihrem Rücken droht herunterzufallen. Pferde haben ein feines Gespür für Stimmungen. Sie zeigen Ungeduld, Angst, Unruhe oder reagieren auf falsche Behandlung. Dadurch fordern sie das Kind zum Handeln und zum Reagieren auf. Gegenüber dem Menschen zeigen Pferde Zurückhaltung. Diese Eigenschaft ist gegenüber sozial beeinträchtigten Kindern sehr wichtig. Pferde biedern sich nicht an, sondern lassen sich umwerben, und so wird das Erlebnis ihrer Zuneigung stärker. Kinder werden zu aktivem Beobachten und zum Sich-Einfühlen gebracht. Pferde können sich nicht verstellen, sie reagieren immer artgerecht. Sie reagieren nicht menschlich, sie rächen weder noch strafen sie. Pferde sind eigentlich gutmütig, können aber auf schlechte Erfahrungen negativ reagieren. Diese Erfahrung ist für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche besonders wichtig. So erfahren sie, dass das abweichende Verhalten nicht zwangsläufig und nicht überall aggressive Reaktionen hervorruft. 
Die Motivation für ein Kind oder für einen Jugendlichen, sich auf ein Pferd einzulassen, ist die Möglichkeit des Reitens selbst: sich fortbewegen, sich tragen lassen, sich bewähren, sich durchsetzen müssen. Das Kind oder der Jugendliche kann sich über seinen Körper mitteilen und empfängt vom Pferd und dem Pferdekörper Signale und Mitteilungen. Körperliches und seelisches Fühlen und Empfinden wird angeregt. Die genannten Eigenschaften des Pferdes sind auch geeignet, Urvertrauen zu bilden, was bei verhaltensschwierigen Kindern besonders wichtig ist. Außerordentlich wichtig ist auch die Motivation durch den Umgang mit dem Pferd. Die Pflege des Tieres, des Sattelzeugs, des Stalls sind für die Kinder nicht Arbeiten wie etwas Schreiben oder die Spülmaschine ausräumen, sondern eindeutig einsichtlich und werden als notwendig angesehen. Die Motivation durch den Umgang mit etwas Schönem mag mit dazu beitragen, sich selbst schöner zu erleben. Ein Kind empfindet dem Pferd gegenüber Respekt, Angst, Bewunderung und Liebe. Diese Dinge sind pädagogisch bekannt als die Voraussetzungen für Erziehungs- und Lernprozesse. Das Pferd vermag durch seine Gestalt und durch sein Wesen bei verhaltensschwierigen Kindern und Jugendlichen Reaktionen zu bewirken, die diese im Normalfall nicht zeigen. Reiten und der Umgang mit Pferden können idealerweise dazu beitragen, positive Sozialisationsprozesse in Gang zu setzen und Störungen zu beheben weil sie  
- das Bedürfnis nach positiver Zuwendung befriedigen (und damit die Störungsursachen erreichen) - soziale Fertigkeiten trainieren, indem sie dem Kind/Jugendlichen Möglichkeiten des Kontakts und der sozialen Bestätigung verschaffen, die anders nicht vom Kind/Jugendlichen akzeptieren werden würden 

 Das geeignete Reittier:
 Esel, Ponys und Pferde sind für das heilpädagogische Reiten geeignet. Entscheidender als die Pferderasse sind der gutmütige Charakter des Tieres und die Sympathie des Reitpädagogen zu seinem Tier. Allerdings sollten Therapietiere immer die gleiche Bezugsperson haben, die sie reitet und betreut. Gut ist es, wenn der Heilpädagoge auch der Besitzer ist. Der Charakter sollte weder zu temperamentvoll noch zu phlegmatisch sein und ein Tier, das immer angetrieben werden muss, ist ebenfalls unpassend. Ein waches, vorwärtsgehendes, gutmütiges Tier, das weder ausschlägt noch bockt, entspricht der Idealvorstellung. Das Tier darf durchaus sensibel oder ängstlich sein und soll sich nicht alles gefallen lassen. Wenn unterschiedliche Pferde mit unterschiedlichen Charakteren zur Verfügung stehen, erhöhen sich die Einsatzmöglichkeiten bei den einzelnen Kindern und Jugendlichen. Für ängstliche Kinder in ein anhängliches, ruhiges Tier, dem gegenüber sie sich überlegen fühlen, von Vorteil. Solch ein Tier gibt ihnen die notwenige Sicherheit, die sich günstig auf ihr weiteres Verhalten gegenüber dem Tier auswirkt.  Draufgängerische Kinder finden bei einem eigenwilligen Tier, das sich nicht alles gefallen lässt, die notwendigen Grenzen. Auf jeden Fall ist es wichtig, den Kindern die Achtung vor dem Tier beizubringen, indem man ihnen erklärt, was sie sich erlauben können und was nicht. Man muss den Kindern vermitteln, dass das Tier Angst und Schmerz und auch Lärm und Ruhe genauso empfindet wie sie selbst. Tiere lassen sich im Allgemeinen viel von Kindern und Jugendlichen gefallen. Sie erdulden Dinge, die sie von Erwachsenen nie akzeptieren würden. Wenn sie jedoch den Umgang mit dem Kind oder Jugendlichen müde sind, zeigen sie dies durch Weglaufen, wenn ihnen alles zu stürmisch wird, oder durch langsames Gehen, wenn sie spüren, dass das Kind nicht mehr aufmerksam ist. Das Kind oder der Jugendliche akzeptiert diese Verhaltensweisen in der Regel und zieht oft die richtigen Schlüsse.  
Über eine kürzere Zeitspanne soll dem Kind oder dem Jugendlichen immer das gleiche Tier zu Verfügung gestellt werden. Das Tier wird zu Beginn immer erst geführt. Ein korrekt ausgebildetes Pferd kann dabei problemlos am Halfter und mit dem Strick geführt werden. Im Führen des Tieres liegen viele pädagogische Werte, wie sich einfühlen lernen, sich im richtigen Moment durchsetzen können, sich anpassen, Befehle zu erteilen und Gespräche zu führen. (vgl. Gäng, 2015: 60ff) 

Pflege der Tiere:
Im Vordergrund einer regelmäßigen Beschäftigung mit dem Tier steht der erzieherische Wert. Einem Großteil von Kindern und Jugendlichen fehlt die Beziehung zur Natur. Es fehlt ihnen der Einblick in den Lebenszyklus lebendiger Organismen. Damit fehlt ihnen auch die Möglichkeit, Fütterung und Pflege eines lebendigen Wesens als selbstverständliche Vorgänge zu erleben. Sie lernen also Verantwortung gegenüber einem Lebewesen zu tragen, welches von ihnen abhängig ist. Der Vorgang der regelmäßigen Beschäftigung in Form von Pflege und Fütterung des Tiers bedarf vorrausschauender Planung und Vorbereitung. Der pädagogische Wert liegt in der Forderung der immer wiederkehrenden Pflichten und Zeiten. Der Erwachsene sollte dem Kind oder dem Jugendlichen mit Geduld zur Seite stehen und Lob nach richtiger Arbeit aussprechen. Gut ist es dabei, dass sich dadurch ein Zwiegespräch anbietet. Während des Pflegens werden Gefühle frei, wie es auf so spontane Art kaum woanders möglich wäre. Der Kontakt zum Tier hilft Ängste abzubauen. Er schenkt Selbstbestätigung und Freude am Umgang mit dem Pferd. (vgl. Gäng, 2015: 67f)